ON.WORDS - Die Erste (yeah!)

Aktualisiert: 28. März 2021


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Heute ist der 26. März – das Wort. „on.words – onwards.“


Tiefschürfende Gespräche bedeuten, dass sie in der Tiefe schürfen. Also kratzen. Aufbrechen und etwas freilegen.

Der Gedanke gefällt mir, denn das bedeutet ja, dass dort (DORT, wo?) ja auch schon etwas ist. Ähnlich wie mit unseren inneren Ressourcen. Die sind ja auch schon da, müssen „nur“ noch freigelegt werden.


Das Gespräch mit Nina hat eben tief geschürft. Im wunderbarsten Sinne. Es hat sofort Sätze aus meiner Kindheit freigelegt „ein gesagtes Wort nimmt man nicht zurück“ die meine Haltung für den Dialog geprägt haben. Es hat freigelegt, offen geschürft, was ich mir für dieses Jahr als Titel gegeben habe: Flintuition. Flow und Intution. Ich wusste nicht, dass Dialog etymologisch hergeleitet dia logos, Flow of meaning heißt, also das Fließen des Sinns.


Sinn, also Bedeutung. Oder Sinn, im Sinne (ha ha) der Wahrnehmung, Schmecken, Riechen, Spüren…


Ebenso freigelegt bei mir hat dieser Sinn-Flow mit Nina die Emotionalität der deutschen Sprache. Wenn ich darüber reflektiere, dann ist das für mich im Wort Hingabe so deutlich. Hingebungsvoll, zu 100%. Sich hingeben, loslassen. Fließen. Flow.


Worte und deren Bedeutungen sind ja was uns als Menschen auszeichnet und einzigartig macht. Dass wir phantasievoll weiterdenken können, und uns Sachen vorstellen können, die es nicht gibt. Ist es nicht so auch mit Interpretation und Bedeutung – GIBT es die wirklich? Also ist meine Interpretation eines Wortes Realität? Wenn überhaupt, dann ist es ja meine Realität, nicht die Eine.


Da komm ich wieder zurück zum Satz eingangs „ein gesagtes Wort nimmt man nicht zurück“. Weil es etwas auslöst. Was es auslöst, können wir nur bedingt steuern. Oder vielleicht sogar gar nicht? Aber heißt das dann, dass die Sprecherin für die gesagten Worte nicht verantwortlich ist, und nur die Hörerin die Verantwortung der Interpretation übernimmt?


Es stimmt ja also gar nicht ganz, dass Worte nur eine Frage von Assoziationen und Auslegungssache sind. Sie sind zum einen auch Fakten. Und zum anderen ja auch gesellschaftlich so konnotiert, wo kaum Spielraum ist.


Es ist ja dann eigentlich ein Tanz, oder ja, eben ein Fluss. Es gibt so gesehen kein richtig und kein falsch im Dialog*. Sondern diesen wahnsinnig spannenden Mix aus Assoziationen, gesellschaftlicher Prägung, inneren Landkarten (die auf Erfahrungen und individuellen Prägungen aufbauen), dem bestimmten Kontext und dem Ton.


*Dialog: da kommt mir gleich dazu noch in den Sinn (ha schon wieder), dass ein Dialog ja auch passiv stattfinden kann. Mit einem geschriebenen Wort, oder eben einem gehörten (wie in einem Podcast). Also dass es eigentlich zwischen zwei Leuten (di für zwei) stattfindet interpretiere ich nach diesem Gespräch nochmal anders. Denn eine Autorin, die ihre Worte in die Welt rausgibt, gibt in dem Augenblick ja schon auf eine Art die Verantwortung der Wirkung ab. Und jemand, die es liest, interpretiert sie. Und bewegt die Worte für sich.


Ich habe das Gefühl, dass häufig in Gesprächen heutzutage komischerweise dieses Fließen des Sinns völlig abhandenkommt. Und die Gespräche nicht tief genug schürfen, um freizulegen wie es wirklich ist. Der Dialog wird missbraucht für ein Abklopfen an sinn-freien Informationen. Dabei meine ich nicht, dass jede Unterhaltung tief schürfen soll. Häufig geht es im Alltag ja um Fakten, um Organisation, um Klärungen. Doch auch hier wage ich die These, dass es mehr um den Fluss von Sinn gehen dürfte. Wie sinnvoll sind 97 (oder 103) Abstimmungsrunden im beruflichen Kontext? Wie sehr hört denn eigentlich die andere Person zu? Wie häufig ist es denn, dass gesagte Worte vergessen werden, weil die Aufmerksamkeit woanders war?


Fließen des Sinns… führt für mich zu Präsenz. Mit Herz und Kopf wahrnehmen*. Verstehen. Zuhören. Klingen lassen. Bewegen. Erwidern. Ein Tanz. Oder eben, ein Fluss.


*Und ja, nicht nur kognitiv oder rational, sondern beides: die Balance aus Ratio und Intuition. Bauch, Herz und Kopf. Ja, wo ist da eigentlich das Herz? Ist das Herz Teil der Intuition?


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